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Warum metallische Gläser brechen

Interview

Warum versagen einige der widerstandsfähigsten metallischen Werkstoffe plötzlich? Marie-Curie-Fellow Silvia Pomes, eine Maschinenbauingenieurin und Materialwissenschaftlerin aus Italien, geht dieser Frage in ihrer aktuellen Forschung nach. In diesem Interview spricht sie über ihre Faszination für metallische Gläser, die Chancen und Herausforderungen beim Aufbau einer internationalen Forschungskarriere in mehreren Ländern sowie darüber, wie man eines der begehrtesten Forschungsstipendien Europas erhält.

Worum geht es in Ihrem aktuellen Forschungsprojekt?

Mein aktuelles Forschungsprojekt UN-STRUCT beschäftigt sich mit metallischen Gläsern. Diese Materialien sind extrem langlebig und fest. Aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften sind sie für innovative Technologien wie medizinische Geräte und energieeffiziente magnetische Komponenten besonders interessant.

Was mich an metallischen Gläsern fasziniert, ist die Kombination aus außergewöhnlicher Festigkeit und unerwartetem Versagen verbinden. Sie können extrem robust sein und dennoch im Laufe der Zeit plötzlich und ohne große Vorwarnung brechen. Ein bekanntes Beispiel ist alter Kunststoff, der nach vielen Jahren spröde wird und zerbröckelt. Dieses Phänomen, das als Versprödung bezeichnet wird, tritt auch bei metallischen Gläsern auf. Wir wissen, dass es mit winzigen Veränderungen in ihrer atomaren Struktur zusammenhängt, verstehen aber noch nicht vollständig, warum diese Veränderungen entstehen.

Durch ein besseres Verständnis dieser Mechanismen möchten wir die Materialalterung gezielter kontrollieren und zur Entwicklung sichererer, zuverlässigerer und nachhaltigerer Hochleistungswerkstoffe beitragen.

Was hat Sie dazu inspiriert, sich für ein Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium (MSCA) zu bewerben, und warum haben Sie sich für die BAM entschieden?

Das MSCA ist eines der renommiertesten und wettbewerbsintensivsten Förderprogramme in Europa. Ich habe mich beworben, weil ich darin sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance sah, mehr Eigenständigkeit bei der Entwicklung von Forschungsprojekten und beim Management von Fördermitteln zu gewinnen. Neben den wissenschaftlichen Aspekten hinaus fand ich das Stipendium besonders attraktiv, weil es die berufliche Weiterentwicklung und die internationale Zusammenarbeit fördert.  

Ich habe mich für die BAM als Host-Institution entschieden, weil die Forschungsschwerpunkte eng mit meinen eigenen Interessen übereinstimmen. Nach meiner Erfahrung in einem nationalen Labor in Japan wollte ich weiterhin in einem weltklasse Forschungsumfeld arbeiten.

Welchen Rat würden Sie anderen Forschenden geben, die eine Bewerbung für dieses Stipendium in Erwägung ziehen?

Ich empfehle die kostenlosen Workshops von EURAXESS, um besser zu verstehen, wie der Antrag aufgebaut sein sollte und worauf die Gutachter*innen achten. Außerdem sollte man frühzeitig den Kontakt zu potenzielle Betreuer*innen suchen wenden, um gemeinsame wissenschaftliche Interessen zu besprechen und festzustellen, ob die Zusammenarbeit gut passt. Die Wahl der Gastinstitution ist genauso wichtig wie ein starkes Forschungsthema.  

Beim Verfassen meines Antrags fand ich es hilfreich, erfahrene Kolleg*innen um Feedback zu bitten. Darüber hinaus bieten die kostenlosen Beratungsdienste der nationalen -Anlaufstellen für MSCA in Deutschland sowie von KoWi wertvolle Unterstützung während des gesamten Bewerbungsprozesses.

Was waren bisher Ihre größten Herausforderungen – wissenschaftlich oder persönlich – und wie haben Sie diese gemeistert?

Eine der Herausforderungen war für mich in verschiedenen Ländern zu arbeiten und weit entfern von meiner Heimat zu leben. Auch wenn diese Erfahrungen unglaublich bereichernd waren, kann sich die Eingewöhnung in ein neues Umfeld aufgrund der Unterschiede in Sprache, Gewohnheiten und Kommunikation manchmal isolierend anfühlen.

Um damit umzugehen, habe ich bewusst daran gearbeitet, überall, wo ich tätig war, ein Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit aufzubauen. Ich habe mich in Forschendenvereinigungen engagiert, an wissenschaftlichen und Netzwerkveranstaltungen im Umfeld von Botschaften teilgenommen und mich aktiv in lokale Forschungsgemeinschaften eingebracht.

So konnte ich diese Herausforderung in eine Chance verwandeln und ein breit gefächertes, internationales und unterstützendes berufliches Netzwerk aufbauen.

Wenn Sie Ihre Forschung in einem Satz für die breite Öffentlichkeit — beschreiben müssten , wie würde dieser lauten?

Ich erforsche, wie sich einige der stärksten metallischen Werkstoffe der Erde zuverlässiger und langlebiger machen lassen.

Die BAM ist eine wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde 
im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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