Ein Jahr Mikroplastik im Rhein – Eine Spurensuche

Foto am Flussufer mit Mikroplastik
Obwohl das Thema Mikroplastik seit über 10 Jahren intensiv beforscht wird, sind bis heute viele Fragestellungen ungeklärt. Neben Fragen zu möglichen gesundheitlichen Risiken, betrifft das auch die Suche nach Quellen, Transportpfaden und der Häufigkeit in der Umwelt. Valide Datensätze fehlen. Nur durch das Aufspüren von Mikroplastik-Senken und deren Konzentrationen kann zielgerichtet Abhilfe geschaffen und können toxikologische Untersuchungen mit zur Umwelt vergleichbaren Mengen durchgeführt werden. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass Mikro- (1-1000 µm) und Nanoplastik (< 1 µm) -Partikel für den Menschen meist unsichtbar und heterogen sind. Es variiert in Größe, Form, Dichte und chemischer Zusammensetzung. Zudem ist Mikroplastik schwer von natürlichen Partikeln zu unterscheiden, was präzise und komplexe Labortechniken erfordert.
Flüsse sind häufig senken von Mikroplastik, weshalb es wichtig ist ihre Dynamik zu verstehen. Mikroplastik gelangt aus verschiedenen Quellen in die Flüsse, etwa durch Reifenabrieb, Kunststoffzerfall, Industrie- und Haushaltsabwässer. Diese Einträge schwanken stark im Jahresverlauf, beeinflusst durch Niederschläge, Hochwasserereignisse, Abflussmengen, Temperatur oder touristische und industrielle Aktivitäten. Ein weiteres Problem ist die räumliche Variabilität: Strömung, Sedimentation und Einleitungen führen zu einer ungleichmäßigen Verteilung der Partikel. Kurzzeitstudien liefern daher oft nur Momentaufnahmen, die kein vollständiges Bild der Belastung widerspiegeln. Durch ein kontinuierliches Monitoring über zwölf Monate lassen sich Trends, Spitzenbelastungen und mögliche Quellen genauer identifizieren. Zudem können Wechselwirkungen zwischen Umweltbedingungen und Mikroplastik-Konzentrationen analysiert werden. Dies ist eine wichtige Grundlage für effektive Maßnahmen zur Reduktion von Einträgen sowie für politische Entscheidungen im Gewässerschutz. Ein langfristiger Datensatz trägt außerdem dazu bei, die Auswirkungen auf Ökosysteme besser zu verstehen und Vergleichswerte für zukünftige Studien zu schaffen.
Die vorliegende Studie zeigt die Mikroplastik-Belastung im Rhein über den Zeitraum eines Jahres. Es wurden monatlich Proben an den Standorten Weil, Koblenz und Emmerich mit einem Sedimentationskasten genommen, durch Siebung in drei Größenklassen unterteilt und die Mikroplastik-Konzentrationen mit der TED-GC/MS gemessen. Anschließend wurden die Proben bezüglich Polymerart, Größe sowie saisonaler und räumlicher Häufigkeit bewertet.
One Year Observation of Microplastic Concentrations in the River Rhine
Yosri Wiesner, Paul Eisentraut, and Korinna Altmann
ACS ES&T Water, 2026
