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DRMD – Referenzmaterialien werden digital

Mit dem Digital Reference Material Document (DRMD) entwickelt die BAM ein standardisiertes, maschinenlesbares Format für Referenzmaterialzertifikate und -Produktdatenblätter. Damit können diese künftig direkt von Laborsoftware, Messgeräten und digitalen Systemen verarbeitet und in durchgängige digitale Prozesse eingebunden werden.

Referenzmaterialdaten sind digital, aber häufig noch nicht maschinenlesbar

Referenzmaterialien sind eine wichtige Grundlage für verlässliche und vergleichbare Messergebnisse. Sie werden beispielsweise eingesetzt, um Analyseverfahren zu überprüfen oder Messgeräte zu kalibrieren. Die zugehörigen Zertifikate und Produktdatenblätter enthalten dafür wichtige Angaben wie Messwerte, Unsicherheiten und Anwendungsinformationen.

Das Problem: Diese Informationen liegen heute häufig als PDF vor. Benötigt eine Labor- oder Gerätesoftware die darin enthaltenen Daten, müssen sie vielfach manuell übertragen werden. 

Dass dies ein reales Anwendungsproblem ist, zeigt der Austausch mit einem Anbieter von Labormanagementsoftware: ihre Benutzer – namhafte Laboratorien in Deutschland und Europa – müssen die Informationen aus Referenzmaterialzertifikaten bislang von Hand in die Software eingeben. Sie haben konkretes Interesse daran, diese Daten künftig digital in die Software einzubinden, z.B. durch eine automatische Abfrage an die Herstellerdatenbank. 

Referenzmaterialinformationen direkt digital nutzbar machen

Mit dem Digital Reference Material Document (DRMD) sollen diese Informationen maschinenlesbar und international harmonisiert bereitgestellt werden. Laborsoftware, Messgeräte und andere digitale Systeme sollen die Informationen dadurch direkt einlesen, eindeutig interpretieren und automatisiert weiterverarbeiten können. Damit geht das DRMD weit über die einfache Digitalisierung eines Zertifikats hinaus. 

Vom Datenmodell bis zur Anwendung

Die BAM entwickelt nicht nur das Datenformat, sondern auch weitere Bausteine, die für die Erstellung, Erprobung und zukünftige Nutzung von DRMDs benötigt werden. Dazu gehören insbesondere:  

01 — XML-Schema (Gemeinsame Struktur) 

Das standardisierte Schema legt fest, wie Informationen zu Referenzmaterialien strukturiert und maschinenlesbar beschrieben werden. Es baut auf dem Digital Calibration Certificate (DCC) [www.ptb.de/dcc] auf und nutzt gemeinsame Strukturen und Konzepte.

02 — DRMD-Generator (DRMDs erstellen) 

Mit diesem Softwaretool können DRMDs erzeugt werden, sei es durch eine einmalige, manuelle Dateneingabe oder durch die Umwandlung bestehender (PDF-)Zertifikate und Produktdatenblätter ins DRMD-Format mittels KI.

03 — Dokumentation (DRMD praktisch anwenden) 

Schema, Generator, Best Practices und User Manual sollen Anwendern ermöglichen, DRMD praktisch zu erproben und in eigene Prozesse zu integrieren. 

04 — Integration (Daten vernetzen) 

Parallel arbeitet die BAM an der Einbindung von DRMD in weitere digitale Strukturen: unter anderem die Referenzmaterial-Datenbank COMAR, das DCC-Umfeld und perspektivisch die Asset Administration Shell (AAS). 

Weniger Medienbrüche im digitalen Labor

Wenn Informationen zu Referenzmaterialien strukturiert und maschinenlesbar vorliegen, müssen sie nicht mehr von Menschen aus Dokumenten abgelesen und anschließend in andere Systeme übertragen werden. Dadurch können DRMDs dazu beitragen, manuelle Dateneingaben zu reduzieren, Übertragungsfehler zu vermeiden, Informationen schneller in Laborprozessen verfügbar zu machen und Referenzmaterialien besser in automatisierte Arbeitsabläufe einzubinden. 

  • Weniger manuelle Übertragung 
    Daten müssen nicht erneut aus Dokumenten eingegeben werden. 
  • Weniger Fehlerquellen 
    Strukturierte Informationen können automatisiert übernommen werden. 
  • Direkte Weiterverarbeitung 
    Software und Geräte können die Informationen unmittelbar nutzen. 
  • Grundlage für Automatisierung 
    Maschinenlesbare Qualitätsinformationen unterstützen zunehmend automatisierte Laborprozesse. 

Materialeigenschaften werden verknüpfbar und rückverfolgbar

Das DRMD ist Teil einer übergreifenden Transformation der Qualitätsinfrastruktur (QI) insgesamt (siehe Grafik). Hier geht's zur Plattform QI-Digital. Eine digitale QI benötigt nicht nur Daten. Entscheidend ist, dass relevante Informationen standardisiert beschrieben, automatisiert ausgetauscht und über verschiedene Systeme hinweg miteinander verknüpft werden können. 

Genau hier trägt das DRMD bei: Informationen zu Referenzmaterialien werden von einem bislang überwiegend dokumentenbasierten Format in strukturierte, maschinenlesbare Qualitätsdaten überführt. 

Damit können sie mit weiteren digitalen Informationen verbunden werden. Denkbar ist beispielsweise eine Informationskette von Akkreditierungsinformationen über einen Digitalen Kalibrierschein (DCC) und ein DRMD bis hin zum Digitalen Produktpass. So können Qualitätsinformationen über unterschiedliche Stationen hinweg nachvollziehbar und rückverfolgbar werden.  

Vom digitalen Dokument zum vernetzten Ökosystem

Mit einer ersten Version von Schema, Generator und Dokumentation schafft die BAM die Grundlage dafür, das DRMD praktisch zu erproben und gemeinsam mit Anwendern weiterzuentwickeln. Parallel stehen die Integration in bestehende digitale Infrastrukturen, die internationale Harmonisierung und die Erschließung weiterer Anwendungsmöglichkeiten im Fokus. 

Kontakt

Email: drmd@bam.de

Ansprechpersonen: Dr. Johannes‌ van de Kreeke, Dr. Silke‌ Richter, Dr.‌ Michael‌ Melzer, M.Eng.‌ Punith Durga Prasad‌ Arumilli

Die BAM ist eine wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde 
im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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